Warum streiken?


Erziehung und Sozialisation

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Familie und Elternschaft

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Die alltägliche Diskriminierung..
Heut war ich wieder mit meinen Kids unterwegs, sie wollten Schlittschuh laufen.
Ich wollte ihnen gern diesen Wunsch erfüllen und etwas Besonderes mit ihnen unternehmen.
Da ist es mir wieder bewusst aufgefallen..
Es ist wunderbar das Familien entlastet werden und das es in vielen Einrichtungen und bei Veranstaltungen Familientickets gibt. Aber, Familie bedeutet dann immer Mama, Papa und zwei Kinder. Alle anderen Familienmodelle werden damit ausgeschlossen, so auch ich! Meine Kinder und ich sind aber auch eine Familie! In unserem Modell verdiene ich allein das Geld, ich bekomme weder Entlastung noch Unterstützung. Das macht es mir unwahrscheinlich schwer solche Höhepunkte in unseren Alltag zu integrieren.
Was ich aber noch viel schlimmer finde, wir sind eine Familie! Warum werden wir nicht als solche anerkannt?!
Jede*r Alleinerziehende*r ist auch eine Familie, egal ob mit einem Kind, mit zwei, drei oder sechs!
Ich bin nicht nur eine Mama von zwei Kindern, nein, ich bin eine Familie, wir sind eine Familie.  - Rosa, 36

Rente und Lohn

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Care- und Lohnarbeit

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Ich streike weil ich’s kann. Und ich wünsche mir, dass alle es können werden. Ich streike, weil ich möchte, dass alle ihren eigens definierten Luxus genießen können. Ich möchte diejenigen Personen mit dem Streik supporten, die keine Kapazitäten haben, ihre Stimme zu erheben:
 
 Meine Priorität ist dabei Care-Arbeit und ich wünsche mir erstmal für 2019:
 - 1000% Support für Alleinerziehende in allen Belangen
 - kostenlose und verfügbare Kitaplätze für alle
 - gesundes Essen für alle
 - noch viel flexiblere Elternzeitmodelle
 - gesetzliche Kinderbetreuung in Clubs ;)
 - steuerliche Vorteile, viel Geld und gratis ÖPNV für Caretaker
 - 1000€ Kindergeld
 - on-the-job-Bildungsförderung für alle Care-Personen inkl. Eltern
 - usw..
 
 Über den Rest nach der Niederstreckung des Patriarchats reden wir danach.
- Hannelore

Erziehen kann doch jeder. Der Beruf immer noch unterste Preisklasse, immer noch das Image der singenden und lachenden Kindergartentante. Das Bild bröckelt, wenn plötzlich Krankheitsfälle auftreten, da kommt es schon mal vor, dass eine Erzieherin 25 Kinder alleine betreut. Dann gilt es eine Prioritätenliste zu erstellen: Beule kühlen kommt vor Buch angucken, Elterngespräch vor „ich sehe was, was du nicht siehst“. Dabei haben sich die Ansprüche an die Kindererziehung in den letzten 15 jahren sehr verändert. Jedes Kind soll gesehen und in seiner Entwicklung unterstützt werden. Gar nicht so einfach bei 25 Kindern alleine... dann die Angst der Eltern, dass ihre Kinder „ausreichend“ lernen. Dann die Lautstärke. Dann Inklusion und Integration...Dann auch noch freundlich, optimistisch, kompetent, authentisch und empathisch auftreten- jeden Tag (ob mit Liebeskummer, Menstruation, etc.). also eigentlich unmöglich... aber hinkriegen tun es die Kindergartentanten dann ja doch irgendwie, doch wie, wird selten hinterfragt und die nächste Krankmeldung liegt schon im Briefkasten. 

Am 20.09.2018 war eine Demonstration in Leipzig angesagt, kommen tun nur ein paar Hanseln und niemanden interessierts. Nicht einmal den MDR. Die Erzieher*innen tragen ein Banner: "Weil Kinder Zeit brauchen“.. doch wäre es wirklich so egoistisch in Anbetracht dieser Zustände, sich aufs Banner zu schreiben, dass man selber mehr Zeit braucht, um für die Kinder Gerecht und nach gutem Gewissen da sein zu können? Und natürlich mehr Personal und mehr Bezahlung und mehr Schokolade fürs Dazwischen!!! 
Ist es ein weibliches Phänomen, dass Frauen so schwer auf die Kacke hauen können? Ist es ein no go, im sozialen Care-Dienstleistungsgeflecht zu streiken, ohne schlechtes Gewissen? 

Statt irgendwann Burnout krankgeschrieben zu werden und sich dafür zu schämen, sollten sich alle Care-Arbeiterinnen* zusammenschließen und laut fordern:

- genügend Personal!
- eine höhere Bezahlung!
- eine gute Ausbildung!
- Saunagutscheine für alle :P

Damit die Bedingungen (kleinere Gruppen, mehr Personal) gewährleisten, dass jedeR empathisch bleiben kann, ohne auszulaugen, wie ein ausgelutschter Drops oder zu verhärten, wie eine gepanzerte Kampfschildkröte.

Und vor allem: Schließen wir uns zusammen!!! Reden wir über unsere Arbeitszustände mit Freunden/Freundinnen aber auch im Öffentlichen!!!
Werden wir endlich wütend!!! - Jey, Erzieherin

Ich bin sehr gerne Krankenschwester. Oft wird mir das nicht abgenommen, aber tatsächlich arbeite ich leidenschaftlich gerne im Krankenhaus.
Über die mitleidigen Blicke, wenn ich in typischen Akademiker*innenkreisen erzähle, was ich beruflich mache, sehe ich ohne Probleme hinweg. Und auch auf das immer wiederkehrende „Na ich könnte das ja nicht!“ kann ich souverän antworten.
Was ich jedoch nicht mehr übersehen möchte ist die Tatsache, dass es scheinbar ganz normal ist, dass Frauen diesen Beruf erlernen. Frauen werden außerdem Erzieherinnen, Grundschullehrerinnen, Ergotherapeutinnen, Physiotherapeutinnen und Altenpflegerinnen. Männer die solche Berufe ergreifen sind noch immer eine Seltenheit und werden dementsprechend mit Kusshand empfangen. Außerdem wird bei diesen Männern immer wieder die „weibliche Ader“ gesucht. Mit ihnen kann ja irgendwas nicht stimmen. Warum sonst sollten sie einen „Frauenberuf“ erlernen wollen?
Letztes Jahr starb mein Opa an Krebs. Wir haben uns bis zum letzten Moment um ihn gekümmert und ihm ein würdevolles Sterben ermöglicht. Es wird jetzt niemanden wundern, wenn ich erzähle, dass es die Frauen der Familie waren, die ihn pflegten. Die Männer saßen meist bedrückt in der Küche und blickten hilflos drein. Wir Frauen wuschen ihn, hoben ihn aus dem Bett, reichten ihm das Essen.
Und das ist keinesfalls eine Seltenheit. Männer wurden und werden von den scheinbar typischen Frauenaufgaben, die sich bei der Fürsorge um die Kinder und Kranken ergeben, ferngehalten. Und daran hat auch die geteilte Elternzeit noch nicht viel geändert.
Ich werde am 08. März streiken, weil ich es leid bin, mich erklären und rechtfertigen zu müssen. Ich will, dass es ganz normal wird, dass Männer und Frauen sich zu gleichen Teilen um die Kinder und Kranken kümmern. Ich will, dass es ganz normal wird, dass Männer in Pflegeberufen arbeiten.
Ich will verdammt nochmal die Gleichberechtigung, die uns seit Jahren versprochen wird! Und ich werde das nicht allein, sondern mit euch allen am 08. März lautstark auf der Straße und am Arbeitsplatz einfordern.   
-  Krankenschwester, 27 Jahre aus Leipzig

Aufklärung und Selbstbestimmung

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Ich hatte eine Abtreibung.
 Und habe immer das Gefühl mich dafür rechtfertigen zu müssen. Bis vor einem Jahr wussten es nur mein Freund und meine beste Freundin. Erst mit der vermehrten politischen Auseinandersetzung mit dem Thema Schwangerschaftsabbrüche, habe ich es mit als meine politische Aufgabe gesehen, es nicht mehr Geheim zu halten. Es ist wichtig, dass wir darüber sprechen und es von der auferlegten Scham befreien.
 Ich war damals in der Apotheke, um mir die Pille danach geben zu lassen. Es war mir sehr unangenehm. An der Theke, wo alle mithören konnten, wurde ich gefragt, ob ich mir denn sicher sei. Dann kamen weitere Fragen an die ich mich nicht mehr erinnere. Ich ging aufjedenfall ohne Pille danach raus und ärgerte mich, dass ich mich hab so verunsichern lassen. 
3 Wochen später hatten wir die Gewissheit – ich war schwanger. Und absolut nicht bereit dafür. Noch keine zwei Jahre aus dem Elternhaus raus, mitten im Studium und in einer Beziehung, wo noch so viel auszuhandeln ist, dass die gemeinsame Zukunft noch ungewiss war. 
Eine Situation, die ansich als privilegiert gesehen werden kann. Ich wurde nicht vergewaltigt, hatte einen Freund, eine Wohnung, Familie die mich unterstützt, eine halbwegs sichere Zukunft nach meinem Studium. Aber ich will selber entscheiden, wie ich mein Leben gestalte. Eine Abtreibung ist keine leichte Entscheidung, auch wenn es bei mir sichtlich unemotional abgelaufen ist. Aber natürlich fragte ich mich: Kann mir etwas passieren bei dem Eingriff? Was ist, wenn ich danach nicht mehr in der Lage bin, Kinder zu kriegen? Ist es egoistisch, wenn ich mich so entscheide? 
Nein ist es nicht! Nach 5 Jahren kann ich das mit Gewissheit sagen. Damals war ich nicht bereit und hab mich mit Bedacht und Verantwortung für eine Abtreibung entschieden. Wenn ich jetzt schwanger werden würde, würde ich es nicht mehr tun und eine wundervolle Mutter werden. Und das, weil ich die Entscheidung für mich selber treffen konnte, wann ich diese Aufgabe erfüllen möchte.

Deshalb fordere ich: 

 - Pille danach ohne Beratungsgespräch
 - Eine sichere und legale Abtreibung für alle
 - Selbstbestimmung von Frauen über ihren eigenen Körper

Stellt euch mal vor, es würde sich angemaßt werden, über den Körper von Männern zu entscheiden? Was hier wohl los wäre!

UND DESHALB AUF ZUM FRAUEN*STREIK! FÜR DIE SELBSTBESTIMMUNG ALLER FRAUEN!   -  Sozialarbeiterin aus Leipzig (27 Jahre)



Mit 25 wurde ich zum ersten Mal schwanger, nach eineinhalb Jahren hat es endlich geklappt. Mein Partner war toll und unterstütze mich wo er konnte. Gesundheitlich ging es mir echt schlecht, ich habe von morgens bis abends gebrochen, manchmal 10 mal am Tag..ich hatte immer eine Tüte dabei. Ich war dennoch stolz auf meinen Bauch und freute mich sehr auf das was da kommt. Ich fing an Kleidung für mein Baby zu kaufen, geschlechtsneutral war allerdings schwierig, rosa und blau waren schon sehr dominant. Zur Wahl stand da noch weiß wenn man nicht gleich irgendwelche Disneymotive haben wollte..
Den Geburtsvorbereitungskurs fand ich ganz interessant, nach der Entbindung viel es mir aber auf, er ist ausgerichtet auf die „natürliche“ Geburt.. ja, ein Kaiserschnitt wurde nicht erwähnt. 
Ich hatte 36 Stunden Wehen, Ich durfte nichts essen und trinken, ich habe kaum geschlafen und war am Ende meiner Kräfte. Ich hatte eine PDA nur hielt die nicht so lange, also hatte ich auch Schmerzen, als ich den Chefarzt fragte ob ich noch etwas bekommen könnte kam eine herablassende Antwort: „jetzt haben Sie sich nicht so, Frauen sind dafür da diese Schmerzen zu ertragen!“
Ich war schockiert! Ich lag Stunden in den Wehen, ich war am Ende und der Typ kam mit so einem Spruch! Warum? Soll er doch mal ne Melone da unten rausdrücken.
Tja, und es kam wie es kommen wusste, das Fruchtwasser wurde grün, oh, Stress fürs Baby, es muss schnell gehen, ab in den OP - Kaiserschnitt, eine Erlösung. 
Mir war zu dem Zeitpunkt nicht wichtig wie mein Kind kam, wir war wichtig das wir beide gesund sind. 
Irgendwie lief alles nicht so toll wie man überall hörte. Auch das Stillen klappte nicht, nach sechs Wochen haben wir mit Flasche zugefüttert, ab da verwickelte sich meine Tochter erst richtig und nahm zu. 
Tja, aber ein paar Monate später kam sie dann, die Depression. Ich fühlte mich wie eine Versagerin, ich habe mein Kind nicht „normal“ bekommen, gestillt habe ich sie auch nur ein paar Wochen und das ist nicht funktioniert. Aber als Mutter muss man das doch so machen, das Kind vaginal gebären und stillen..so empfand ich zu der Zeit, so fühlte ich mich gesellschaftlich behandelt. 
Aber nein, es ist totaler Blödsinn so zu denken!! Eine Mutter ist man mit dem Herzen! Es ist egal wie man entbindet, wie man sein Kind ernährt..so lange man sich um sein Kind kümmert.

Drei Jahre später war ich mit meinem zweiten Kind schwanger, aus einer neuen Beziehung. Auch da gibt es mir nicht gut, ich habe zunächst angenommen weil nichts drin blieb. Dazu kamen Wassereinlagerungen und Verdacht auf Schwangerschaftsdiabetes.

Immer die Sorge wie es dem Kind geht.
Da meine erste Entbindung eher schlecht verlief, hatte ich große Angst vor der zweiten. In der Uniklinik sagte man mir ich könne vaginal entbinden, gesundheitlich spricht nichts dagegen, aber wenn ich mich nicht bereit fühle und zu viele Ängste hätte würde das die Geburt blockieren. Mein Gefühl sagte mir Kaiserschnitt, schließlich war ich damals auch schnell wieder fit.
Mein Partner, der Vater des Kindes, stand allerdings nicht hinter mir und machte es mir schwer. „Versuch es doch erstmal normal, ich will keinen Kaiserschnitt“ und das Beste als ich mich durchsetzte da es schließlich mein Körper ist : „lass dich doch gleich noch sterilisieren wenn du schon mal offen bist.“
Geht‘s noch?! Es ist mein Körper und ich entscheide was damit wie passiert!
Ich hatte einen Kaiserschnitt und war glücklich damit.
Seine Familie fand es uncool, seine Schwester hat 5 Tage nach mir ein Kind entbunden, lief alles super. Mein Kind trank nicht gut, hatte Neugeborenengelbsucht über mehrere Wochen. Ein Kreislauf der nicht gut war, keine Kraft zum trinken, muss aber trinken um fit zu werden. Er schrie immer wenn ich ihn an die Brust legte..zum Schluss meinte seine Mutter ständig daneben zu hocken „willst du dein Kind verhungern lassen?!“ nein verdammt! Will ich nicht, aber der Körper ist keine Maschine und eigenwillig!
Liebe werdende Mamas, lasst euch nicht reinreden, macht was euch gut tut denn wenn es euch gut geht, geht es auch dem Kind gut!
My body - my choice! - Anna (32 Jahre)


Alltagssexismus und Gewalt

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Kunst und Medien

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Ich streike!

Weil ich den Mist, der uns im Fernseher, in „Frauenmagazinen“ und auf Werbeplakaten an den Straßen verklickert wird, satt habe. Wenn sich eine Bohrmaschine besser verkaufen lässt, weil ein halbnackter Frauenkörper daneben abgebildet ist, wenn im Fernseher immer mehr Sendungen entstehen, in denen Frauenkörper vom Haaransatz bis zum kleinen Zeh auseinandergenommen und bewertet werden, dann läuft gehörig was schief! Frauen werden immer noch als Objekte dargestellt, an welchen man sich vergnügen kann und welche gefälligst „perfekt“ zu sein haben. Und warum lassen wir uns das gefallen? Weil es so normal erscheint und weil sich zu wenige darüber aufregen. Was hilft dagegen? 

Nicht mit machen! Die Glotze aus dem Fenster schmeißen, sich nicht den Schönheitsnormen beugen, sich immer wieder klar zu machen, dass das unrealistischer Mist ist, der uns da verklickert wird.

Wir müssen lautstark einfordern, dass Frauen aus mehr als nur Körper bestehen und daher jede Form von sexistischer, frauenverachtender Werbung verboten gehört. (Schon verrückt, dass das immer noch nicht angekommen ist).

Langfristig ist das Ziel jedoch, dass kein Mensch mehr auch nur auf die Idee kommt, so etwas zu produzieren, weil dann allen Menschen klar ist: 

We are not here for your entertainment.  - Auszubildende, 23 Jahre

Partnerschaft und Sexualität

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„Wenn er dir schon beim Putzen hilft, kannst du ihn dann nicht dafür kritisieren, dass er es nicht ordentlich gemacht hat.“
 Gehts noch?! Es ist das Jahr 2018 und ich bin fassungslos. Mal wieder haben mein Freund und ich uns über die täglichen Aufgaben im Haushalt gestritten. Und mal wieder beklage ich mich halb belustigt bei meiner Oma darüber. Und dann kommt dieser Satz. Ich solle doch froh sein, dass er ab und zu mal die Wohnung saugt. Dass er hin und wieder die Spülmaschine einräumt.
 Nö, das sehe ich anders. Immer wieder wird uns gesagt, Frauen hätten inzwischen die gleichen Chancen wie Männer. Frauen und Männer seien gleichberechtigt.
 Achso, ja. Aber beim Putzen hört Gleichberechtigung auf, oder wie? Nö, mir reichts. Mit meinem Freund habe ich das Problem gelöst. Wir putzen jetzt gemeinsam.
 Aber was ist mit den restlichen Menschen da draußen, die noch immer denken Haushalt, Kinder und der ganze Rest wäre Aufgabe der Frauen? Die werde ich am 08. März wachrütteln und mit der Nase drauf stoßen, dass Gleichberechtigung noch immer keine Realität ist, es aber gefälligst bald sein muss!
 Kommt mit auf die Straße, schmiert am 08. März keine Schnitten für eure Männer und Kinder und sorgt dafür, dass allen klar wird – WENNWIRSTREIKENSTEHTDIEWELTSTILL  - Ella, 24 Jahre aus Leipzig

Ich führe seit vielen Jahren eine Beziehung mit einem tollen Menschen.
 Wir haben uns von Anfang an gut verstanden – vor allem auch im Bett. Dachte ich zumindest immer.
 Erst nach ein paar Jahren, als ich insgesamt reifer und erwachsener wurde, fiel mir auf, dass ich mir beim Sex vor allem Mühe gab, es meinem Partner recht zu machen.
 Und mittlerweile weiß ich: So ein Scheiß!
 Mein Freund wollte von Beginn an, dass ich mich wohlfühle, dass mir unsere Intimitäten gefallen und guttun. Und was hatte ich im Kopf? Die Beine müssen rasiert sein, die Schamlippen dürfen nicht komisch rumhängen, sondern müssen ordentlich sitzen und der (vorgetäuschte) Orgasmus muss möglichst sexy über die Bühne gestöhnt werden.
 Aber woher kam meine völlig falsche Wahrnehmung über ein gutes Sexleben? Vermutlich gibt es Hunderte Erklärung dafür – „Mädchen“-Zeitschriften, TV-Sendungen, Pornos, der verklemmte Biologieunterricht …
 Als ich mich endlich meinem Freund öffnete und ihm erklärte, dass ich jahrelang beim Sex damit beschäftigt war eine gute Figur hinzulegen war er wahnsinnig betroffen. Ich ärgere mich heute sehr darüber, dass ich nicht früher mit ihm über meine Ängste und Hindernisse gesprochen habe.
 Die Vorstellung, dass es auch jetzt unzählige Frauen und Mädchen gibt, die den Sex gar nicht richtig genießen, sondern es ihrem Partner recht machen wollen, macht mich fertig.
 Ich wünsche mir, dass eine Aufklärung, die die Lust und Selbstbestimmung der Frau ebenso betrachtet wie Schwangerschaftsverhütung zur Normalität wird. Ich wünsche mir, dass Pornos, in denen Frauen echte Lust verspüren und nicht nur als Objekt mit Brüsten und Vulva gesehen werden, Normalität werden. Ich wünsche mir, dass Frauen nicht an ihrer Vulva rumschnippeln lassen möchten, nur weil sie eben nicht der scheinbaren Norm entspricht. Und ich wünsche mir, dass alle in den Genuss von gleichberechtigtem und tollem Sex kommen.
 Ich streike am 08. März um all den Frauen Mut zu machen ihre eigenen Bedürfnissen ernst zu nehmen und einzufordern.   -  Anne, 33 Jahre aus Leipzig

Schönheitsideale und Körper

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Bis zu meinem 26. Lebensjahr hatte ich lange Haare, immer mindestens bis zu den Schultern, manchmal auch länger. Mir ist nie aufgefallen, dass das als „typisch weiblich“ angesehen wird. Dann habe ich mir über eine kurze Zeit die Haare immer kürzer schneiden lassen, bis ich sogar zum Rasierer griff und meine Haare eine stattliche Länge von einem Millimeter hatten. Es war so toll, ich fühlte mich gut, es war so luftigleicht auf meinem Kopf. Es fühlte sich richtig an und ich hatte nicht das Gefühl weniger weiblich oder sonstwie zu sein. Doch die Kommentare über meine neue Frisur ließen nicht lange auf sich warten. Ein älterer Herr nannte mich erst junge Dame, um mich im nächsten Atemzug zu fragen, ob ich denn eine Dame sei. Er würde das anhand meiner Frisur nicht erkennen. Als ob ihn das auch so etwas angehen würde. Sein Begleiter versuchte zu schlichten und meinte, er hätte ja auch so einen Haarschnitt worauf sein älterer Gefährte meinte, er sei ja auch ein Mann. Seit wann haben Haarschnitte ein Geschlecht? Ich war wütend und leider sprachlos. Jeder Mensch soll sein Haupthaar tragen wie er*/sie* möchte, ohne dafür beurteilt zu werden.

Solidarische Grüße
Yvonne (28) 

Trans*-, Inter*- und Homofeindlichkeit

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Rassismus

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Recht

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