WIR WERDEN WEITERMACHEN!


Die Geschichten der Frauen*kämpfe weltweit reichen Hunderte von Jahre zurück und haben immer einen wichtigen Teil zur Geschichte und Gesellschaft beigetragen. Diese Prozesse werden in Geschichtsbüchern, im Unterricht und im alltäglichen Diskurs unsichtbar gemacht. Daher ist es unsere Aufgabe, diesen Teil der Geschichte zu erzählen und weiterzuschreiben.
Es handelt sich im Folgenden nur um eine kleine Auswahl einiger Länder und Orte, an welchen feministische Proteste oder Frauenstreiks erfolgten. Doch die Bewegung weltweit ist enorm. Überall findet Organisierung und Protest statt, überall entsteht neuer Mut und ein erstarkender Wille, die Zustände zu verändern. 2019 ist demnach für uns erst der Auftakt für eine neue, starke feministische Bewegung.

Logo des Frauenstreiktags 1994

Frauenstreiktag 1994 in Deutschland

1994 beteiligten sich fast eine halbe Million Frauen an einem bundesweiten Frauenstreiktag am 8. März. Anlass war der zu dieser Zeit bestehende frauenpolitische Rollback, insbesondere ein Richterspruch bezüglich des Paragrafen 218, welcher die Vorgängerversion des aktuellen Paragrafen darstellte. Es waren vor allem zwei Gruppen aus Berlin und Bonn, die die Initiative ergriffen und einen Streik organisierten. Damit setzten sie den Startschuss für die deutschlandweite Organisierung. In der ganzen Bundesrepuplik gründeten sich Streikkommittees und beteiligten sich an der Vorbereitung. An dem Tag selber gab es in vielen Betrieben Frauenbetriebs-versammlungen und Warnstreiks und öffentliche Plätze wurden zu Plätzen des sichtbaren Protests. Der Streik und die Vorbereitung war ein vereinender Moment zwischen den Ostfrauen und den Westfrauen, zwischen welchen teils noch große Gräben bestanden. Es konnten gemeinsame Forderungen artikuliert werden und der Protest war an den Orten am erfolgreichsten, an welchen die Bündnisse bunt zusammengewürfelt waren. Der Streik für 2019 knüpft unter anderem an 1994 an.



Streik der Weberinnen 1903-1904

Der erste große überlieferte Streik der ArbeiterInnenbewegung begann bereits im Jahr 1844. Es waren vor allem die Weberinnen, die gegen die weniger werdende (unbezahlte) Arbeit protestierten und dafürt plädierten, sich als ArbeiterInnenschaft zu organisieren und zusammenzuhalten. Die Männer hingegen forderten ein Arbeitsverbot für verheiratete Frauen, da nur dies Verbesserung für alle bringen könne und entsolidarisierten sich somit von ihren Arbeitskolleginnen.

Bei dem Streik der TextilarbeiterInnen 1903/1904 in Crimmitschau waren ebenfalls zum Großteil Frauen beteiligt. Die Forderung war der Zehnstundentag und eine Lohnerhöhung. Die streikenden Frauen wurden jedoch konsequent ausgeblendet, die Solidarität galt vor allem den streikenden "Brüdern". Übersehen wurde dabei, dass diese "Brüder" ohne ihre "Schwestern" nie hätten streiken können.
Die streikenden Frauen haben den Misshandlungen und Verhaftungen, welche sie erdulden mussten, standgehalten. Fünf Jahre später wurden ihre Forderungen dann - ohne Hilfe der Gewerkschaften - umgesetzt.

Island 1975 und 2005


Am 24. Oktober 1975 treten 90% der arbeitenden Frauen in Island in den Streik. 20.000 Frauen* und Mädchen* sind auf den Straßen und marschierten zur Mittagszeit durch Reykjavik. Aus allen Richtungen strömten sie zum Laekjartorg-Platz. Ein Großteil der Fabriken, Geschäfte, Banken, Schulen und Kindergärten mussten schließen. Nur in den Krankenhäusern arbeiten die Angstellten.
 Anlass des Streiks war das von der UNO ausgerufene internationale Jahr der Frau, das am 24. Oktober begann. Forderungen waren mehr Gleichheit, eine gerechte Bezahlung, eine bessere Kinderbetreuung.
Organisiert wurde der Ruhetag von einem Kommitee aus den 5 wichtigsten Frauenorganisationen des Landes. Die radikalfeministische Rote-Socken-Bewegung will die Aktion “Streik” nennen, die anderen “Ruhetag”, damit niemand so leicht gekündigt werden kann.
2005, zum 30jährigen Jahrestag des Streiks, gab es eine Neuauflage mit 50 000 Demonstrantinnen.

USA 1970 und 2017


Am 26. August 1970 fand zum 50. Jahrestag des Frauenwahlrechts in den USA ein “Women’s Strike for Equality” statt. Der Streik konzentrierte sich vor allem in New York, aber auch 90 andere Städte beteiligten sich. Insgesamt streikten 20.000 Frauen.
 Organisiert wurde der Streik von der “National Organization for Women”. Die Forderungen waren legale Abtreibung, gleicher Zugang zum Arbeitsmarkt und zu Bildung und eine 24-stündige Kinderbetreuung. Der Streik machte auf schlecht bezahlte Arbeit und unbezahlte Reproduktionsarbeit aufmerksam. Die Uhrzeit wurde auf 17 Uhr verlegt, so dass Frauen ihre Arbeit nicht früher verlassen mussten.
 In New York City überflutete die Streik Demonstration die Straßen. Frauen besetzten die Freiheitsstatue, um den Widerspruch aufzuzeigen, dass eine Frau Freiheit verkörpert.
 Am 8. März 2017 wurde wieder unter dem Motto “A Day without a woman” gestreikt, um gegen die Politik von Donald Trump zu protestieren, Wenn Frauen nicht am Streik teilnehmen konnten, sollten sie rot tragen als Zeichen der Solidarität. Mehr als 2 Millionen Frauen nahmen teil.

Schweiz 1991


Unter dem Motto 
“Wenn Frau will, steht alles still” legten am 14. Juni 1991eine halbe Million Frauen die Arbeit nieder. Es war der Streik mit der größten Beteiligung in der Schweiz. Im ganzen Land beteiligten sich Frauen an vielfältigen Streikaktionen und tauchten Straßen und 
Plätze in ein Meer von Lila. Die Idee zum Frauenstreik stammte von einigen Uhrenarbeiterinnen, die sich über  ungleiche Löhne in ihrer Branche empörten. Organisiert wurde dann von einem Gewerkschafts-zusammenschluss und den Frauenbewegungen. .
Der Streik hat einiges erreicht: der Gleichstellungsartikel wurde verbindlich umgesetzt und enthielt auch ein Verbot der sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz.

2011 fand der zweite nationale Frauenaktions- und Streiktag statt. Es wurde daran erinnert, dass viele Anliegen, insbesondere im Bereich der Lohngleichheit, immer noch nicht erfüllt sind.




Polen 2016 "Schwarzer Montag"

Am 3. Oktober gab es in Polen einen landesweiten Streik gegen das Abtreibungsverbot. Der Tag wurde bekannt als “czarny poniedzialek”. Über 6 Millionen Frauen in 60 Städten Polens beteiligten sich an dem eintägigen Streik.
 Die Frauen verweigerten an dem Streiktag jede Arbeit zu Hause und auf der Arbeitsstelle.
Der Name “Schwarzer Montag” kommt daher, dass sich vor dem Streik jeden Montag massenhaft Frauen in schwarz kleideten, um für ihr Recht auf Abtreibung zu protestieren.

Irland 2016/17


Inspiriert vom schwarzen Montag in Polen streiken am 8. März 2016 und 2017 tausende Frauen in Nordirland, um gegen das Abtreibungsverbot zu protestieren. Auf der Streikdemonstration waren alle Frauen in schwarz gekleidet.
 Die Forderungen umfassten auch die Arbeitsbedingungen von Frauen und die unbezahlte emotionale und karitative Reproduktionsarbeit.

Spanien, 2018


Am 8. März 2017 und 2018 gab es in Spanien einen landesweiten feministischen Streik. 5,3 Millionen Frauen* beteiligten sich an dem 24stündigen Streik in 200 Städten. Die Forderungen reichen von ungerechten Arbeitsbedingungen über reproduktive Arbeit und Diskriminierung.
 Seit 2017 organisieren sich viele feministische Gruppen im ganzen Land. Alle lokale Gruppen arbeiten in zwei Richtungen: lokal, um sich zu treffen und alle möglichen Menschen vor Ort und mit ihren Themen einzubinden, und online, um sich landesweit zu vernetzen und organisieren. Auf einer landesweiten Versammlung wurde die Plattform “Hacia la Huelga Feminista” (Vorwärts zum Feministischen Streik) ausgerufen. Auch spanische Migrantinnen in anderen Ländern beteiligten sich.
 Es gab bereits 2015 in Katalonien einen ersten Frauenstreik, den “Vagga de totes”, an dem sich hunderte Frauen* aus Katalonien beteiligten.

Argentinien 2016-2018


Am 8. März 2016 organisierte die Bewegung “Ni una menos” mit lokalen Streikkommitees in vielen Städten einen Frauen*streik. Der Streik reiht sich ein in tagelange Proteste von tausenden Frauen* gegen die Zunahme von Vergewaltigungen und Femiziden.
 Femizide sind Morde an Frauen, weil sie Frauen sind. In Argentinien wird alle 18 Stunden eine Frau ermordet. In vielen südamerikanischen Ländern gibt es sehr hohe Femizid-Zahlen.
 Die Forderungen von “Ni una menos” richten sich gegen Femizide, aber auch gegen alle Verhältnisse, die den Lebensstandard der Frauen erniedrigen. Uns für einen gleichen Lohn für gleiche Arbeit, sichere Arbeit und gerechte Aufteilung der Sorgearbeit. In vielen Ländern Südamerikas wird auch für die Legalisierung von Abtreibung erkämpft.

United Kingdom 2018


Am 8. März 2018 rief die “Women’s Strike Assembly” im Vereinigten Königreich zum Streik auf. Frauen sollten sich in rot kleiden und einen regenschirm mitbringen. Der Streik war sehr vielfältig und umfasste viele Kämpfe und Aktionsformen.
 Morgens gab es eine direkte Aktion vor dem Gesundheitsamt, um für eine bessere Gesundheitsfürsorge von Trans*Menschen zu fordern. Nachmittags versammelten sich tausende Menschen im Zentrum von London, sie liefen aus ihren Büros, Häusern und Fabriken, in denen sie arbeiten. Männer* organisierten Kinderbetreuung und kochten für die Versammlung. Es wurde Solidarität mit den Schwestern aus Kurdistan/Rojava gezeigt, gegen Abtreibungsgegner demonstriert und ein Geschäft von Reinigungskräften besetzt. Abends gingen alle auf die Straße mit den Sexarbeitenden von “strike4decrim”, die für die Entkriminalisierung von Sexarbeit streikten. Den Abend verbrachten alle gemeinsam bei Arbeiter*innen, die seit einem Jahr für Mindestlohn und bessere Arbeitsbedingungen streiken.

Du hast Fragen oder möchtest dich beteiligen? 
Schreib uns an "frauenstreikleipzig@riseup.net" oder nutze das Kontaktformular.

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