WIR STREIKEN!

Wir arbeiten in Teilzeit, gehen in Elternzeit, verzichten auf den lukrativeren Job, bemühen uns um ein hübsches Aussehen, versuchen immer freundlich zu sein und stellen unsere eigenen Bedürfnisse zurück, um den Ansprüchen an uns gerecht zu werden, gute Ehefrauen* und Mütter* zu sein.
Die unangemessenen Sprüche des Chefs lächeln wir einfach weg – denn der Job ist uns wichtig. Auch, dass wir beim Meeting den männlichen Kollegen Kaffee einschenken, nehmen wir so hin – es ist halt so. Dass wir beim Einstellungsgespräch nach unserem Kinderwunsch befragt werden, ist schon okay – der Chef muss schließlich auch planen. Wir sagen unseren Töchtern*, dass sie abends nicht alleine nach Hause laufen und zur Disko bitte nicht den kurzen Rock anziehen sollen – schließlich wissen wir alle, was passieren kann.
Auf dem Arbeitsmarkt und mit dem Geld sieht es kaum besser aus. Es scheint, als stünden uns alle Türen offen und wir müssten unsere Chancen nur ergreifen.

Aber wer arbeitet traditionell zum Großteil im Dienstleistungssektor, welcher genauso traditionell schlechter vergütet ist? Die schlechte Bezahlung von all den Berufen, in welchen man sich beispielsweise um andere Menschen kümmert,  ist kein Zufall. Aus Zuwendung, Pflege und Erziehung lässt sich nun mal kein Profit schlagen und Frauen* haben das doch schon immer gemacht. Warum also plötzlich guten Lohn dafür bekommen? Wer verzichtet auf den Traumjob weil ja noch die Familienplanung ansteht? Wer schiebt nach der Schicht Zuhause gleich die nächste Schicht, damit das Essen auf dem Tisch steht, der Kindergeburtstag geplant ist, die Schnitten für den nächsten Tag geschmiert sind und der Haushalt erledigt ist? Wer überlegt sich dreimal, ob sie mit der kurzen Hose oder dem vielleicht zu tiefen Ausschnitt auf die Straße kann?
Und es sind Frauen*, von denen erwartet wird, immer mitzudenken - an die Kinder, den Terminkalender des Ehemanns, die Planung der nächsten Familienfeier. Aber das macht sie doch alles gerne?

WIR SAGEN: ES REICHT!

Das alles ist kein Zufall, das alles muss nicht so sein!
Frauen* werden von klein auf dazu erzogen freundlich, passiv, zurückhaltend und fürsorglich zu sein, die Dominanz der Männer wird hingegen als naturgegeben betrachtet. Doch dass das alles unhinterfragt bleibt und mit einem Lächeln nach dem Motto "du weißt doch wie sie sind" hingenommen wird, hat fatale Folgen. Fast jeden dritten Tag wird in Deutschland eine Frau* von ihrem Partner oder Ex-Partner ermordet - alles nur Familiendramen? Dass es sich hierbei um Frauenmorde handelt, hinter denen mehr steckt, als nur eine persönliche Auseinandersetzung, wird ignoriert. Gewalt gegen Frauen* wird unsichtbar gemacht und nach jedem Versuch eines Aufschreis folgt prompt der Shitstorm. Frauen* werden ermordet, weil sie Frauen* sind und kein Gesetz kann davor schützen! Dass vor allem alleinerziehende Mütter von Altersarmut betroffen sind - nur ein blöder Zufall? Dass genau die Berufe schlecht bezahlt werden, in welchen zum großen Teil Frauen* beschäftigt sind - hat doch damit nichts zu tun? Jede dritte Frau in Deutschland ist von sexualisierter Gewalt betroffen und es heißt noch immer, man solle sich eben nicht so provokant kleiden. Dass vor allem konservative Männer sich gegen das Recht auf Abtreibung und damit das Selbstbestimmungsrecht der Frau* wehren - was soll man dazu noch sagen?

Bei all der medialen und öffentlichen Darstellung einer gleichberechtigten Gesellschaft ALLER Menschen, unabhängig von ihrem Geschlecht oder der sexuellen Orientierung, ist das, was sich tatsächlich abspielt, eine andere Realität. Die Stimmen nach dem traditionellen Familienbild werden wieder lauter, die Behauptung, Männer und Frauen hätten natürliche Rollen und Aufgaben, trifft auf immer mehr Akzeptanz und die Gewalt  gegen Homosexuelle, Transgender und Inter-Menschen ist dementsprechend nach wie vor hoch, weil sie nicht in das Bild der heterosexuellen Zweigeschlechtlichkeit (Mann/Frau) passen.

Doch immer mehr Frauen*, Inter*, Trans* und nicht binäre Personen werden laut und setzen sich zur Wehr. Es gibt weltweite Bewegungen, wie #metoo und #wontbeerased in den USA und weltweit, Ni una menos in Lateinamerika, #aufschrei in Deutschland, #aintnocinderella in Indien, die Mädchen der Straße der Revolution im Iran, #thisisnotconsent in Irland und der Kampf der Kurdinnen. Frauen*streiks formierten sich u.a. die letzten Jahre in Argentinien, Spanien, Island, Polen, Irland und Großbritannien.

Denn wir wissen:

Wir sind der Motor des gesellschaftlichen Zusammenlebens und wenn wir unsere Arbeit, die wir tagtäglich leisten, niederlegen, dann steht die Welt still.


WENN WIR WOLLEN, STEHT DIE WELT STILL!

Streiks kennen wir in Deutschland eigentlich von Betrieben und Gewerkschaften, meistens geht es um Tarife. Wir jedoch richten uns nicht nur an die Arbeitergeber*innen, sondern an die Politik, Wirtschaft und jede einzelne Person. Um unsere Lohnarbeit zu bestreiken, brauchen wir für unsere eigene Absicherung die Gewerkschaften hinter uns. Also haltet euch auf dem Laufenden und lest unsere rechtlichen Aspekte. Doch egal ob mit oder ohne Gewerkschaften - Unsere Arbeit hört nicht bei der Lohnarbeit auf. Es gibt unglaublich viele Möglichkeiten diesen Tag gemeinsam zu bestreiken. Besetzen wir die öffentliche Plätze, entspannen den ganzen Tag auf einem Liegestuhl, tragen die Symboliken des Streiks, kochen keinen Kaffee für die Chefs, rufen zu Frauen*betriebsversammlungen und Schülerinnen/Studentinnen*versammlungen ein, schmieren keine Schnitten für die Familie und und und. Die Aktionsformen können so unterschiedlich sein wie wir Frauen*.
Schon 1994 machten es uns über eine Millionen Frauen* in Deutschland vor und bestreikten den 08. März. Wir sind davon überzeugt, dass es an der Zeit ist, gemeinsam ein Zeichen zu setzen und lautstark auf unsere Forderungen aufmerksam zu machen!

WENN WIR STREIKEN, STEHT DIE WELT STILL!

Verschaffen wir uns Gehör, indem wir zeigen, dass es nicht ohne uns funktioniert!
Wir werden am 08. März 2019 gemeinsam zum bundesweiten Frauen*streik auf die Straßen gehen. Und möchten dich dafür begeistern, dabei zu sein, mitzumachen, aufzustehen, laut zu sein. Es betrifft uns alle! Es geht um unsere Enkelkinder, Töchter*, Mütter*, Großmütter*, Schwestern*, Freundinnen*, Kolleginnen* und um uns selbst.

WAS WIR WOLLEN?

Wir wollen, dass Frauen* ihre Wut, ihre Forderungen selbstbewusst aussprechen. Gemeinsam, wütend, laut.
Wir wollen,  dass Frauen* zusammenhalten und füreinander einstehen.
Wir wollen die Bilder in den Köpfen verändern. Darüber, wie Frau* zu sein und was sie zu machen hat.
Wir wollen mehr als ein Stück vom Kuchen, wir wollen selbst bestimmen.

WAS WILLST DU?

Sprecht darüber was euch bewegt; diskutiert, was ihr verändern wollt; tauscht euch aus, wie ihr euch euer Leben vorstellt; organisiert euch, plant Aktionen, kommt zu Aktionen, seid kreativ, sichtbar und laut!
Organisiert euch in euren Betrieben, Unis, Schulen, Freundinnen*kreisen, Gruppen und überall, wo ihr zusammenkommt. Beteiligt euch am bundesweiten Frauen*streik mit euren Themen!

OHNE DICH LÄUFT NICHTS!
LASST UNS STREIKEN - FÜR EIN SELBSTBESTIMMTES LEBEN!



Du hast Fragen oder möchtest dich beteiligen? 
Schreib uns an "frauenstreikleipzig@riseup.net" oder nutze das Kontaktformular.

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